Kapitel 7 · Niveau Basis · Bronze

Das Hilfesystem im Überblick

Lernziel: Das Hilfe- und Unterstützungssystem in seinen Ebenen überblicken, die Rollen der wichtigsten Anlaufstellen unterscheiden und im Einzelfall den passenden Weg finden können.

3 Min.

Warum ein Überblick in Ebenen statt einer Liste?

Ein Feld in Bewegung

Das Hilfesystem rund um Gewalt im Sport ist kein festes Verzeichnis, sondern ein Feld in Bewegung. Anlaufstellen entstehen, benennen sich um, bekommen neue Aufgaben; mit dem Zentrum für Safe Sport kommt gerade eine ganze Ebene hinzu. Wer sich eine feste Liste einprägt, hat sie in einem Jahr veraltet.

Deshalb lohnt sich der Blick auf die Ebenen statt auf einzelne Namen. Wer versteht, welche Arten von Hilfe es gibt und wofür sie jeweils zuständig sind, findet auch dann den richtigen Weg, wenn sich einzelne Stellen ändern. Die konkreten Kontaktdaten schlägt man im Bedarfsfall nach — die Ordnung dahinter bleibt.

Welche Ebenen hat das Hilfesystem?

Drei Ebenen

Erste Ebene — im Sport selbst. Hier stehen die en der Vereine und Verbände, dazu die unabhängigen Anlaufstellen des organisierten Sports, an die man sich auch außerhalb des eigenen Vereins wenden kann. Auf dieser Ebene wirkt auch die organisierte Betroffenenvertretung, die den Erfahrungen Betroffener eine Stimme im Sport gibt.1

Zweite Ebene — das staatlich-zivilgesellschaftliche Hilfesystem. Sie besteht unabhängig vom Sport und für alle: die Jugendämter als staatliche Stelle, die freien Fachberatungsstellen vor Ort, die bundesweiten Hilfetelefone sowie die Strukturen rund um die Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Diese Ebene trägt die eigentliche fachliche Beratung und, wo nötig, den Schutz durch den Staat.2

Dritte Ebene — die künftigen Strukturen des Zentrums für Safe Sport. Es soll eine unabhängige, sportnahe, aber vom einzelnen Verband unabhängige Stelle für Meldung, Beratung und Untersuchung schaffen. Diese Ebene wächst gerade heran; ihr genauer Zuschnitt wird sich in den nächsten Jahren festigen.3

Was leistet welche Ebene — und was nicht?

Die Ebenen ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht. Die Stelle im Sport ist nah und niedrigschwellig, aber sie ist weder eine Fachberatung noch eine Ermittlungsbehörde. Die staatlich-zivilgesellschaftliche Ebene bietet fachliche Tiefe und, beim Jugendamt, hoheitlichen Schutz — dafür ist sie sportferner. Und die künftige Ebene des Zentrums soll gerade die Lücke schließen, die zwischen beiden klafft: eine unabhängige Stelle, die sportnah ist, ohne im Verband befangen zu sein.

Die wichtige Klarstellung: Keine dieser Stellen ist ein Ersatz für die anderen. Eine Beratung im Sport enthebt nicht der Verantwortung, bei einer Kindeswohlgefährdung das Jugendamt einzubinden; und die beste Fachberatung ersetzt nicht das Verbandsverfahren, wenn ein Code-Verstoß aufzuklären ist.4

Wie findet man im Einzelfall den richtigen Weg?

Für die Praxis genügt eine einfache Orientierung. Geht es zunächst um Rat und darum, das Erlebte einzuordnen, ist eine unabhängige Fachberatungsstelle oder ein Hilfetelefon meist der ruhigste erste Schritt — kostenlos, auf Wunsch anonym und zu nichts verpflichtend. Geht es um Schutz eines gefährdeten Kindes, führt der Weg zum Jugendamt, im Notfall zur Polizei. Geht es um einen Verstoß, der im Sport aufgeklärt gehört, ist die der Einstieg ins Verbandsverfahren.

Für Vereine und Verbände heißt das: nicht die eine „richtige“ Stelle suchen, sondern die eigene kurze Übersicht der erreichbaren Wege pflegen und aktuell halten. Weil das Feld sich bewegt, gehört diese Übersicht mindestens einmal im Jahr auf den Prüfstand.

Wenn Sie betroffen sindBronze

Wenn Sie Unterstützung suchen

Wenn Sie selbst Unterstützung suchen, müssen Sie das System nicht durchschauen, um Hilfe zu bekommen. Ein guter erster Schritt ist fast immer eine unabhängige Fachberatungsstelle oder das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: kostenlos, auf Wunsch anonym, ergebnisoffen. Dort hilft man Ihnen auch dabei, herauszufinden, welche weiteren Wege in Ihrer Situation sinnvoll sind — Sie müssen das nicht allein entscheiden.

Sie bestimmen das Tempo und den Umfang. Beratung bedeutet nicht, dass automatisch ein Verfahren beginnt oder eine Anzeige erstattet wird. Wenn ein Kind akut in Gefahr ist, zählt allerdings der sofortige Schutz — dann sind das Jugendamt oder im Notfall die Polizei die richtigen Stellen.

Nachweise

  1. 1Handlungsleitfaden Safe Sport (DOSB/dsj, 2025): Anlaufstellen im organisierten Sport und Verweis auf das externe Hilfesystem.
  2. 2§ 8a SGB VIII (Schutzauftrag des Jugendamts bei Kindeswohlgefährdung); zum Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch der Unabhängigen Bundesbeauftragten https://www.hilfe-portal-missbrauch.de und zum Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch (0800 22 55 530) https://www.hilfe-telefon-missbrauch.de, zuletzt abgerufen am 29.07.2026.
  3. 3FAQs Zentrum für Safe Sport (DOSB, 2026) zu den geplanten Melde-, Beratungs- und Untersuchungsstrukturen: https://www.dosb.de/aktuelles/news/detail/faqs-zentrum-fuer-safe-sport, zuletzt abgerufen am 23.07.2026; zur Satzung SSP-04-10.
  4. 4§ 8a Abs. 1 SGB VIII: Werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes bekannt, hat es das Gefährdungsrisiko einzuschätzen. Die Beratung im Sport tritt daneben und ersetzt diesen Weg nicht; ebenso besteht das Meldegebot des Codes (Art. 6.1) unabhängig davon.

Rechtsstand

SGB VIII
Stand 2026
Handlungsleitfaden Safe Sport (DOSB/dsj)
Fassung 2025 · Stand 2025

Geprüft am 29.07.2026 · Volatilitätsklasse A · Version 6 · SSP-07-06 Rn. 1–9

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Warum wird das Hilfesystem in Ebenen statt als Liste dargestellt?

Nennen Sie die drei Ebenen des Hilfesystems.

Es geht zunächst nur um Rat und Einordnung. Welcher Weg ist der ruhigste erste Schritt?

Warum gehört die vereinseigene Übersicht der Anlaufstellen regelmäßig auf den Prüfstand?

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