Der organisierte Sport als Akteur: DOSB, dsj und Landessportbünde
Lernziel: Die Rollen von DOSB, Deutscher Sportjugend, Landessportbünden und Spitzenverbänden im Safe Sport unterscheiden, ihre Arbeitsteilung erklären und wissen, welche Ebene wofür Ansprechpartner ist.
Wer gehört zum organisierten Sport?
Der organisierte Sport in Deutschland ist keine einzelne Behörde, sondern ein gestuftes Gefüge. An seiner Spitze steht der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) als Dachverband; unter ihm ordnen sich die Mitgliedsorganisationen. Wer im Safe Sport die richtige Stelle sucht, muss diese Stufung kennen.1
Zwei Linien laufen im DOSB zusammen. Die fachliche Linie führt vom Verein über den Landesfachverband zum Spitzenverband der jeweiligen Sportart. Die überfachliche Linie führt vom Verein über den Landessportbund des jeweiligen Bundeslandes zum DOSB. Jeder Verein gehört beiden Linien an. Diese Ordnung ist in Kapitel 5 als Sportpyramide dogmatisch entfaltet; hier interessiert, wer im Safe Sport welche Aufgabe hat.
Für den Kinder- und Jugendbereich tritt eine eigene Organisation hinzu: die Deutsche Sportjugend (dsj) als Jugendorganisation des DOSB, mit den Landessportjugenden und den Jugendorganisationen der Verbände. Sie ist zugleich eine der größten freien Trägerinnen der Kinder- und Jugendhilfe.2
Wer macht was im Safe Sport?
Die Arbeitsteilung folgt der Stufung — jede Ebene tut das, was sie am besten kann.
Der DOSB setzt den bundesweiten Rahmen. Er stellt den Safe Sport Code als Mustertext bereit, den die Verbände übernehmen, und seine Mitgliederversammlung hat das Stufenmodell als verbindlichen Mindeststandard beschlossen. Er schafft also die gemeinsame Grundlage, ohne selbst das Verfahren eines einzelnen Verbandes zu führen.3
Die Deutsche Sportjugend führt fachlich beim Kinder- und Jugendschutz. Von ihr stammt die Vorarbeit zum Stufenmodell, und sie gibt zusammen mit dem DOSB den Handlungsleitfaden und den Zukunftsplan Safe Sport heraus. Sie ist die Quelle der meisten praktischen Materialien.4
Die Landessportbünde übersetzen das in die Fläche. Sie beraten und schulen vor Ort, qualifizieren en, unterstützen bei der Risikoanalyse und wirken über Förderbedingungen auf die Vereine ein. Was der DOSB bundesweit setzt, wird hier für den einzelnen Verein greifbar. Die konkreten Angebote unterscheiden sich zwischen den Landessportbünden.5
Die Spitzenverbände tragen die fachliche Linie. Sie sind Adressat des Stufenmodells als Mitgliedsorganisationen des DOSB und verankern die Präventionsinhalte in ihrer Lizenzausbildung — der Hebel, über den die Qualifizierung alle erreicht, die formal Verantwortung übernehmen.6
Was der organisierte Sport nicht ist
So dicht das Gefüge wirkt — der organisierte Sport ist kein staatlicher Akteur und keine Ermittlungsbehörde. Er setzt Standards, stellt Regelwerke bereit und schult; er ersetzt weder das Jugendamt noch die Strafverfolgung.
Die eigentliche Aufklärung eines Verdachts ist Sache des Untersuchungsverfahrens im jeweiligen Verband oder — nach Übertragung — des Zentrums für Safe Sport, nicht des DOSB oder eines Landessportbundes. Diese unterscheiden nicht im Einzelfall, sondern schaffen die Bedingungen dafür, dass der Einzelfall überhaupt bearbeitet werden kann.
Ebenso wenig ist der DOSB eine Aufsichtsbehörde über seine Mitglieder mit Durchgriff bis in den Verein. Seine Steuerung wirkt über Muster, Beschlüsse und Förderbedingungen, nicht über hoheitliche Anordnung. Wer mehr erwartet, überschätzt die Reichweite des Dachverbandes.
Wohin wendet sich ein Verein?
Für die Praxis lässt sich die Zuständigkeit auf wenige Wege verdichten.
Für Beratung und Schulung ist der Landessportbund meist die erste Adresse — er ist näher als der Dachverband und kennt die Lage vor Ort. Für fachspezifische Fragen der eigenen Sportart ist der Spitzenverband zuständig, besonders bei Lizenz- und Ausbildungsfragen.
Für Materialien und Mustertexte lohnt der Blick zu DOSB und Deutscher Sportjugend — Handlungsleitfaden, Musterkodex, Vorlagen. Und für den akuten Fall gilt nicht der Weg über die Verbandsstufen, sondern der Weg über die ins Verfahren, wie ihn Kapitel 9 beschreibt.
Nachweise
- 1Deutscher Olympischer Sportbund (DOSB), Dachverband des organisierten Sports; zur Mitgliederstruktur (Spitzenverbände, Landessportbünde, Verbände mit besonderen Aufgaben) https://www.dosb.de/ueber-uns/mitgliedsorganisationen, zuletzt abgerufen am 30.07.2026. ↩
- 2Deutsche Sportjugend (dsj), https://www.dsj.de (zuletzt abgerufen am 30.07.2026). ↩
- 3Muster-Safe Sport Code (DOSB, 2025), Art. 1.1 mit Erläuterungen. ↩
- 4DOSB, Stufenmodell (2020), Verfahren zur Umsetzung; Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023). ↩
- 5Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023): Bearbeitung von Fällen im Netzwerk aus Landessportbünden, Fachberatungsstellen und Sportvereinen; beispielhaft zur Kopplung der Vereinsförderung an Kinderschutznachweise Sportbund Rheinland („Ohne Kinderschutz keine Zuschüsse“): https://www.sportbund-rheinland.de, zuletzt abgerufen am 30.07.2026. ↩
- 6DOSB, Stufenmodell (2020): Es beschreibt Mindeststandards für die Mitgliedsorganisationen des DOSB; die Erfüllung der Stufen ist Voraussetzung für die Weiterleitung finanzieller Mittel, soweit die jeweilige Stufe einschlägig ist. ↩
Rechtsstand
- Muster-Safe Sport Code
- Fassung 2025 · Stand 2025
- DOSB, Stufenmodell
- Fassung 2020 · Stand 2020
- Zukunftsplan Safe Sport
- Fassung 2023 · Stand 2023
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