Die Strategien des organisierten Sports: Stufenmodell und Zukunftsplan
Lernziel: Das DOSB-Stufenmodell mit seinen Maßnahmen und Fristen einordnen, seinen Zusammenhang mit dem Zukunftsplan Safe Sport erklären und den Unterschied zum Safe Sport Code benennen können.
Was ist das Stufenmodell, und woher kommt es?
Das Stufenmodell ist der erste flächendeckende Standard, den sich der organisierte Sport in Deutschland selbst gegeben hat. Entstanden ist es bei der Deutschen Sportjugend, deren Mitgliedsorganisationen sich 2018 dazu bekannten; 2020 beschloss die Mitgliederversammlung des DOSB ein darauf aufbauendes DOSB-Stufenmodell einschließlich schrittweiser Umsetzung.1
Es beschreibt Mindeststandards zur Prävention und zum Schutz vor sexualisierter Belästigung und Gewalt für die Mitgliedsorganisationen des DOSB und verbindet einen Katalog notwendiger Maßnahmen mit Umsetzungsfristen. Die Federführung liegt bei der Deutschen Sportjugend.2
Der Zeitplan
Vorgesehen war eine schrittweise Umsetzung über vier Jahre ab dem 1. Januar 2021: bis Ende 2021 die Stufen A und B, danach jährlich drei weitere. Seit dem 31. Dezember 2024 sind alle Stufen umzusetzen. Nach A und B war die Reihenfolge frei wählbar; empfohlen wurde, thematisch zusammengehörende Maßnahmen gemeinsam anzugehen.3
Welche Maßnahmen umfasst es?
Elf Stufen, bezeichnet mit A bis K.
A Positionierung und Verankerung — ein Beschluss der Verbandsführung für ein Präventionskonzept. **B Ansprechpartner*innen** — mindestens eine benannte Person mit Anbindung an die Verbandsführung (je nach Satzung Vorstand oder Präsidium), deren Kontaktdaten auf der Verbandshomepage veröffentlicht sind.4
C Eignung von Mitarbeitenden — unterzeichnete Selbstverpflichtung, etwa ein Ehrenkodex, sowie Einsichtnahme in das erweiterte Führungszeugnis bei allen, die im Auftrag des Verbandes Kinder und Jugendliche betreuen oder sind, bei Neueinstellung und in regelmäßigen Abständen. D Qualifizierung des eigenen Verbandspersonals.5
E Satzung und Ordnungen — eine Satzungspassage gegen jede Form sexualisierter Belästigung und Gewalt sowie rechtssichere Regelungen zur Sanktionierung. F Lizenzerwerb — Präventionsinhalte in den Ausbildungskonzeptionen entsprechend den DOSB-Rahmenrichtlinien und eine Selbstverpflichtung bei Vergabe und Verlängerung von Lizenzen. G Lizenzentzug — Regelungen für den Entzug von Lizenzen.6
H Interventionsleitfaden — ein Plan für den Umgang mit Fällen. I Beschwerdemanagement — benannte interne und externe Anlaufstellen, kommuniziert an die Teilnehmenden, sowie anonymisierte Evaluationen zum Wohlbefinden bei verbandseigenen Maßnahmen.7
J Risikoanalyse — eine Analyse der sportart- und organisationsspezifischen Bedingungen, die Gewalt begünstigen könnten. K Verhaltensregeln — auf Grundlage der Risikoanalyse entwickelte Regeln für das Miteinander, insbesondere im Umgang mit Kindern und Jugendlichen.8
Zwei Hinweise zur Systematik: Die Risikoanalyse (J) ist Voraussetzung für die Entwicklung anderer Maßnahmen, allen voran der (K). Und die lizenzbezogenen Stufen F und G entfallen für Verbände, die keine eigenen Lizenzen vergeben; ihre Nichterfüllung ist dann keine Voraussetzung für die Weiterleitung finanzieller Mittel.9
Wie verhält es sich zum Zukunftsplan und zum Safe Sport Code?
Die drei Instrumente gehören zusammen, leisten aber Verschiedenes.
Das Stufenmodell ist die Umsetzungsebene: konkrete Maßnahmen mit Fristen, überprüfbar, an die Weiterleitung von Fördermitteln geknüpft. Es sagt, was ein Verband eingerichtet haben muss.
Der Zukunftsplan Safe Sport von DOSB und dsj ist die Strategieebene: Er formuliert Ziele und Handlungsfelder für die Weiterentwicklung, darunter Qualifizierungsstandards, die zielgruppenspezifisch und aufbauend auf den Rahmenrichtlinien der Lizenzausbildung entwickelt werden sollen, sowie die Verankerung des Schutzes vor Gewalt in Trainingsqualität und Angebotsgestaltung.10
Der Safe Sport Code ist die Regelwerksebene: Er definiert, was verboten ist, und schafft die Grundlage für Untersuchung und Sanktion. Das Stufenmodell verhindert; der Code ahndet.11
Historisch bauen sie aufeinander auf: Das Stufenmodell adressierte zunächst sexualisierte Belästigung und Gewalt; der Code weitet den Blick auf alle Formen interpersonaler Gewalt und ergänzt die Präventionsstandards um ein sanktionsfähiges Regelwerk.
Wo endet die Reichweite des Stufenmodells?
Drei Grenzen sind für die Praxis wichtig.
Es adressiert Verbände, nicht Personen. Die Stufen richten sich an Mitgliedsorganisationen und beschreiben, was diese einrichten müssen. Für einzelne Trainerinnen und Trainer folgt daraus unmittelbar keine Pflicht — deren Bindung entsteht über Satzung, Lizenz und Anerkennungserklärung.
Es sanktioniert nicht. Wer eine Stufe nicht erfüllt, verstößt nicht gegen ein Verbot; die Folge liegt im Förderbereich, nicht im Disziplinarbereich. Umgekehrt schützt die Erfüllung aller Stufen nicht vor Verantwortlichkeit im Einzelfall.
Es beschreibt Mindeststandards. Ein Verband, der alle elf Stufen erfüllt, hat das Notwendige getan, nicht das Bestmögliche. Der Zukunftsplan zielt gerade darauf, über diesen Stand hinauszugehen.
Abzugrenzen ist es schließlich vom Schutzkonzept im Sinne der Kinder- und Jugendhilfe: Das Stufenmodell verlangt einzelne Bausteine, ein verbindet sie zu einem Ganzen und bezieht die Vereinsebene ein.
Was folgt daraus für die eigene Organisation?
Für Verbände ist die Frage nicht mehr, ob die Stufen umgesetzt werden, sondern ob sie nachweisbar sind: Beschlüsse dokumentiert, veröffentlicht, Selbstverpflichtungen archiviert, Führungszeugnis-Einsichtnahmen protokolliert, Risikoanalyse schriftlich, beschlossen.
Für Vereine ist das Stufenmodell formal nicht unmittelbar bindend — praktisch werden dieselben Maßnahmen aber über Landessportbünde, Förderbedingungen und Vereinbarungen nach § 72a SGB VIII eingefordert. Wer sich daran orientiert, arbeitet auf einem anerkannten Standard.12
Für Trainerinnen und Trainer sind zwei Stufen unmittelbar spürbar: Stufe C mit Selbstverpflichtung und Führungszeugnis und Stufe F mit den Präventionsinhalten in der Lizenzausbildung. Wer eine Lizenz erwirbt oder verlängert, begegnet dem Stufenmodell dort — meist ohne dass es beim Namen genannt wird.
Was bedeutet das für Verein und Verband?
🔒 Dieser Block ist ab Stufe Silber sichtbar.
Nachweise
- 1Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023): „Mit der Einführung eines dsj-Stufenmodells im Jahr 2018 und dem Beschluss des DOSB-Stufenmodells durch die Mitgliederversammlung des DOSB 2020 wurden wichtige Grundlagen verbindlich festgelegt.“ ↩
- 2DOSB, Stufenmodell zur Prävention und zum Schutz vor sexualisierter Gewalt (2020). ↩
- 3DOSB, Stufenmodell (2020), Verfahren zur Umsetzung. ↩
- 4DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen A und B. ↩
- 5DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen C und D. ↩
- 6DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen E bis G. ↩
- 7DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen H und I. ↩
- 8DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen J und K. ↩
- 9DOSB, Stufenmodell (2020), Verfahren zur Umsetzung: „insbesondere die Risikoanalyse [spielt] als Voraussetzung für die Entwicklung anderer Maßnahmen eine zentrale Rolle“; empfohlene Reihenfolge A, B, J, K, C, D, H, I, F, G, E. Zu den Stufen F und G: „Vergibt ein Verband keine eigenen Lizenzen, ist diese Maßnahme für den Verband hinfällig.“ ↩
- 10Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023): acht Handlungsfelder — Themenfeldentwicklung Schutz vor Gewalt, Struktur, rechtliche Rahmenbedingungen, Qualifizierung, Beratung, Netzwerk, Wissensmanagement sowie Evaluation und Monitoring. ↩
- 11Muster-Safe Sport Code (DOSB, 2025), Art. 5 sowie Art. 8, 10 und 11. ↩
- 12Rahmenvereinbarungen nach § 72a Abs. 4 SGB VIII auf Landesebene, beispielhaft Rheinland-Pfalz (Rahmenvereinbarung vom 23.01.2014): https://lsjv.rlp.de, zuletzt abgerufen am 30.07.2026; zur Kopplung der Vereinsförderung an den Beitritt beispielhaft Sportbund Rheinland („Ohne Kinderschutz keine Zuschüsse“, Förderung seit dem 01.01.2023 nur für beigetretene Vereine): https://www.sportbund-rheinland.de, zuletzt abgerufen am 30.07.2026. Zu den Fördervoraussetzungen näher SSP-12-08. ↩
Rechtsstand
- DOSB-Stufenmodell
- Fassung 2020 · Stand 2020
- Zukunftsplan Safe Sport
- Fassung 2023 · Stand 2023
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Bis wann waren alle Stufen umzusetzen?
Welche Stufe ist Voraussetzung für die Verhaltensregeln?
Worin unterscheiden sich Stufenmodell und Safe Sport Code?
Bindet das Stufenmodell einzelne Trainerinnen und Trainer unmittelbar?
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