Eignung von Mitarbeitenden: Selbstverpflichtung und Führungszeugnis
Lernziel: Die Instrumente der Eignungsprüfung benennen, ihre Reichweite und Grenzen einschätzen und das Verfahren in der eigenen Sportorganisation anwenden können.
Welche Instrumente gibt es?
Das Stufenmodell verlangt für alle haupt-, neben- und ehrenamtlich Mitarbeitenden eine Selbstverpflichtungserklärung, etwa einen Ehrenkodex, und für diejenigen, die im Auftrag der Organisation Kinder und Jugendliche betreuen oder sind, die Einsichtnahme in das erweiterte Führungszeugnis — bei Neueinstellungen und in regelmäßigen Abständen. Für den Bereich der Lizenzausbildung kommt hinzu, dass bei Vergabe und Verlängerung von Lizenzen eine Selbstverpflichtung unterschrieben wird.1
Dazu tritt ein drittes Instrument, das in keiner Stufe steht und dennoch das wirksamste ist: das Auswahlgespräch, in dem das Thema ausdrücklich angesprochen wird.
Was die Selbstverpflichtung leistet
Sie macht aus einer allgemeinen Erwartung eine persönliche Zusage. Ihr Wert liegt weniger in der Unterschrift als im Anlass: Wer sie unterschreibt, hat die Regeln gelesen und kann sich später nicht auf Unkenntnis berufen. Für die Bindung an den Safe Sport Code ist die Anerkennungserklärung ohnehin der tragende Akt.2
Was leistet das erweiterte Führungszeugnis — und was nicht?
Hier liegt das größte Missverständnis der gesamten Präventionsarbeit.
Es zeigt Verurteilungen, im erweiterten Zeugnis auch solche zu geringen Strafen bei einschlägigen Delikten. Es ist damit ein wirksamer Ausschluss für einen kleinen, klar bestimmten Personenkreis.3
Es zeigt nicht, ob jemand geeignet ist. Die weit überwiegende Zahl der Übergriffe im Sport führt nie zu einer Verurteilung — weil sie nicht angezeigt, nicht bewiesen oder nicht strafbar sind. Ein sauberes Führungszeugnis sagt daher nichts darüber aus, ob eine Person unbedenklich ist.
Es ist ein Momentaufnahme. Es bildet den Stand am Ausstellungstag ab; deshalb ist die regelmäßige Wiederholung Teil der Anforderung, nicht eine Zugabe.
Die praktische Folge: Wer das Führungszeugnis als Prüfstein behandelt, wiegt sich in falscher Sicherheit. Es ist eine notwendige Mindestmaßnahme, nicht die Eignungsprüfung.
Wie ist das Verfahren?
Vier Schritte, die sich in jeder Sportorganisation umsetzen lassen.
Erstens: festlegen, für wen. Maßgeblich sind Art, Dauer und Intensität des Kontakts zu Minderjährigen. Wer regelmäßig eine Kindergruppe betreut, gehört dazu; wer einmal im Jahr beim Turnier den Kuchenstand betreut, nicht. Für Sportorganisationen, die eine Vereinbarung mit dem Jugendamt geschlossen haben, ergibt sich der Kreis aus dieser Vereinbarung. Wo der Muster-Safe Sport Code gilt, zieht Ziffer 07 der den Kreis eigenständig: Sie verlangt die Vorlage des erweiterten Führungszeugnisses von Trainer*innen, Übungsleiter*innen, Betreuer*innen, Unparteiischen, medizinischem Personal und den weiteren dort genannten Gruppen — dieser Code-Standard gilt neben § 72a SGB VIII und kann weiter reichen als er.4
Zweitens: einholen. Die Person beantragt das Zeugnis selbst; für ehrenamtlich Tätige ist es gebührenfrei, wenn die Sportorganisation den Zweck bescheinigt.5
Drittens: einsehen, nicht aufbewahren. Die Sportorganisation nimmt Einsicht und notiert lediglich die Tatsache der Einsichtnahme, das Datum des Führungszeugnisses und das Ergebnis in Bezug auf einschlägige Eintragungen — mehr erlaubt § 72a Abs. 5 SGB VIII nicht. Das Zeugnis selbst bleibt bei der Person; bei Vorlage soll es nicht älter als drei Monate sein. Endet die Tätigkeit, sind die notierten Daten zu löschen, spätestens sechs Monate nach ihrer letztmaligen Ausübung.6
Viertens: wiedervorlegen. Ein fester Turnus — verbreitet sind drei bis fünf Jahre — mit Erinnerung. Ohne Wiedervorlage entsteht binnen weniger Jahre eine Lücke, die niemandem auffällt.7
Warum das Auswahlgespräch entscheidend ist
Papiere schrecken wenig ab; Gespräche tun es. Wer beim Einstieg erlebt, dass das Thema selbstverständlich angesprochen wird, weiß, dass hier hingesehen wird — und genau das ist ein Auswahlkriterium für Personen, die Gelegenheiten suchen.
Vier Fragen genügen und wirken nicht wie ein Verhör. Was weißt du über unsere ? Wie gehst du mit Hilfestellungen und Körperkontakt um? Wie hältst du es mit Nachrichten an Jugendliche? Und was würdest du tun, wenn dir etwas auffällt?
Die Antworten sind aufschlussreich, aber wichtiger ist die Botschaft, die im Stellen der Fragen liegt.
Ergänzend gehören zum Einstieg: die Aushändigung der , die Benennung der und eine kurze Einweisung in die Abläufe. Wer diese drei Dinge tut, hat mehr für den Schutz getan als mit jeder Unterschrift.
Was heißt das für die eigene Sportorganisation?
Eine Liste mit fünf Spalten löst das Problem dauerhaft: Name, Funktion, Selbstverpflichtung unterschrieben am, Einsichtnahme mit Datum des Zeugnisses, Wiedervorlage. Nach dem Ende der Tätigkeit werden die Einträge gelöscht — spätestens sechs Monate danach.
Zwei Fehler sind verbreitet und leicht zu vermeiden. Die Kopie in der Akte: Das Führungszeugnis wird eingesehen, nicht gespeichert; eine Kopie ist datenschutzrechtlich unzulässig. Und der vergessene Turnus: Ohne Erinnerungsdatum verfällt die Maßnahme still.8
Und ein Hinweis für die Ansprache: Die Bitte um ein Führungszeugnis ist kein Misstrauen. Wer sie so begründet — dass sie für alle gilt, dass sie den Verein und die Mitarbeitenden schützt und dass sie gebührenfrei ist —, erlebt kaum Widerstand.
Was folgt daraus für die Rechtsanwendung?
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Nachweise
- 1DOSB, Stufenmodell (2020), Stufen C und F. ↩
- 2Muster-Safe Sport Code (DOSB, 2025), Art. 1.1 mit Erläuterungen: Bindung über Satzungsverweis bei Mitgliedern, über ausdrückliche Anerkennungserklärungen bei Nicht-Mitgliedern; näher SSP-05-05. ↩
- 3Zum Inhalt des erweiterten Führungszeugnisses § 30a BZRG; es weist bei den dort genannten einschlägigen Delikten auch Verurteilungen zu geringen Strafen aus, die im einfachen Führungszeugnis nicht erscheinen. Zur Anwendung im Sport dsj, Handlungsleitfaden zum Umgang mit dem erweiterten Führungszeugnis im Sport. ↩
- 4§ 72a Abs. 4 SGB VIII; Ziffer 07 der Muster-Verhaltensregeln Safe Sport (Anhang zum Muster-Safe Sport Code, 2025). ↩
- 5Zur Gebührenfreiheit für ehrenamtlich Tätige § 10 JVKostG in Verbindung mit der Bescheinigung des Zwecks durch die Organisation; dsj, Handlungsleitfaden zum Umgang mit dem erweiterten Führungszeugnis im Sport (Verfahren). ↩
- 6§ 72a Abs. 5 SGB VIII. ↩
- 7Zum Wiedervorlageturnus Handlungsleitfaden Safe Sport (DOSB/dsj, 2025): Empfohlen wird die erneute Vorlage im Abstand von maximal fünf Jahren; das Zeugnis soll bei Einsichtnahme nicht älter als drei Monate sein. ↩
- 8§ 72a Abs. 5 SGB VIII: Erhoben und gespeichert werden dürfen allein die Tatsache der Einsichtnahme, das Datum des Führungszeugnisses und die Information, ob eine einschlägige Verurteilung vorliegt. Eine Kopie des Zeugnisses ist danach unzulässig. ↩
Rechtsstand
- DOSB-Stufenmodell, Stufen C und F
- Fassung 2020 · Stand 2020
- SGB VIII
- Stand 2026-07
- BZRG
- Stand 2026-07
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