Kapitel 8 · Niveau Vertiefung · Silber

Qualifizierung als Präventionsbaustein

Lernziel: Die Qualifizierungsanforderungen aus Stufenmodell und Zukunftsplan einordnen, ihre Verzahnung mit der Lizenzausbildung erklären und den Unterschied zwischen verbindlicher Förderbedingung und Zielvorgabe bestimmen können.

4 Min.

Warum ist Qualifizierung ein eigener Baustein?

Ein wirkt nur, soweit die Menschen, die es tragen, es verstehen und anwenden können. Deshalb behandeln die Strategien des organisierten Sports Qualifizierung nicht als begleitendes Angebot, sondern als eigenständige Anforderung mit festem Ort im System.

Zwei Regelwerke bestimmen sie: das Stufenmodell des DOSB, das die verbindlichen Mindeststufen für Verbände beschreibt, und der Zukunftsplan Safe Sport, der die längerfristige Zielarchitektur setzt. Beide sind in Kapitel 4 als Instrumente eingeführt; hier geht es um ihren Qualifizierungsgehalt.

Der Unterschied zwischen beiden ist für die Praxis entscheidend und wird am Ende dieses Bausteins aufgegriffen: Das Stufenmodell ist an die Verbandsförderung geknüpft und damit tatsächlich verbindlich; der Zukunftsplan formuliert Ziele, deren Umsetzung die Verbände erst ausgestalten.

Was verlangt das Stufenmodell?

Zwei der elf Stufen des Stufenmodells betreffen Qualifizierung unmittelbar.

Stufe D — Qualifizierung des eigenen Verbandspersonals. Die haupt-, neben- und ehrenamtlich Mitarbeitenden des Verbandes werden im Themenfeld qualifiziert. Adressat ist zunächst der Verband selbst: Wer Prävention verantwortet, muss sie beherrschen.1

Stufe F — Lizenzerwerb. Die Inhalte zur geschlechter-, alters- und zielgruppengerechten Prävention sind in die Ausbildungskonzeptionen des Verbandes zu integrieren, entsprechend den Rahmenrichtlinien des DOSB für die Qualifizierung. Bei Vergabe und Verlängerung von Lizenzen ist sicherzustellen, dass eine Selbstverpflichtung — etwa ein Ehrenkodex — unterschrieben wird; bei Jugendlizenzen wird nach § 72a SGB VIII und § 30a BZRG verfahren. Stufe F entfällt für Verbände, die keine eigenen Lizenzen vergeben.2

Damit verbindet Stufe F drei Stränge an einem Punkt: die fachliche Schulung, die Selbstverpflichtung auf die und — bei Tätigkeit mit Minderjährigen — die Führungszeugnisroutine. Die Lizenz wird so zum Trägermedium der Prävention.

Was setzt der Zukunftsplan als Standard?

Der Zukunftsplan Safe Sport benennt Qualifizierung als eigenes Handlungsfeld und geht über das Stufenmodell hinaus, indem er auf Standards zielt.

Zielgruppenspezifische Standards. Umfang und Inhalte der Qualifizierung sollen sich nach der jeweiligen Anforderungssituation richten — Anforderungssituationen, Lernziele, Aufgaben und Prüfungen unterscheiden sich für Übungsleitung, Betreuung, Funktionsträger und en. Welche Zielgruppen zu schulen sind, ergibt sich aus der Risiko- und Potenzialanalyse des Verbandes oder Vereins.3

Verzahnung mit der Lizenzausbildung. Aufbauend auf den Rahmenrichtlinien der DOSB-Lizenzausbildung sollen Standards für eine kompetenzorientierte Aus- und Fortbildung erarbeitet werden. Leistungs- und Breitensport sollen die Anforderungen ihrem Wirkungskreis entsprechend gleichermaßen erfüllen.4

Wiederkehrende Auffrischung. Für en ist ausdrücklich vorgesehen, dass ihre Qualifizierung nach einem bestimmten Zeitraum erneuert wird. Prävention ist kein einmaliger Wissensstand, sondern eine Kompetenz, die gepflegt werden muss.5

Wie sieht die Verzahnung mit der Lizenzausbildung konkret aus?

Die Integration in die Lizenzausbildung ist der wirksamste Hebel, weil sie alle erreicht, die formal für den Sport verantwortlich werden — und niemanden auslässt, der sich freiwillig nicht meldet.

In der Praxis erscheinen Präventionsinhalte in Ausbildungsordnungen auf zwei Wegen: als Kompetenzziel in den Schlüsselqualifikationen — etwa die Fähigkeit, dem Ehrenkodex entsprechend zu handeln und Kernaspekte der Prävention zu benennen — und als eigenes Modul oder Modulbestandteil mit ausgewiesenem Umfang. Der erste Weg verankert die Haltung, der zweite sichert die Lernzeit.

Für Verbände liegt hier die eigentliche Umsetzungsarbeit: Ein Kompetenzziel ohne zugewiesene Lehreinheiten bleibt leicht Absichtserklärung. Die Anforderung der Stufe F, die Inhalte in die Ausbildungskonzeptionen zu integrieren, ist erst erfüllt, wenn Prävention im Curriculum einen festen, geprüften Platz hat — nicht nur eine Erwähnung.

Verbindlich oder Ziel — was gilt wann?

Die beiden Regelwerke haben unterschiedliche Verbindlichkeit, und das zu verwechseln führt zu falschen Erwartungen.

Das Stufenmodell ist an die Weiterleitung von Fördermitteln geknüpft. Seine Stufen — auch die Qualifizierungsstufen D und F — waren nach dem vorgesehenen Zeitplan bis Ende 2024 umzusetzen. Hier besteht echter Vollzugsdruck: Wer die Stufen nicht erfüllt, riskiert Förderfolgen.6

Der Zukunftsplan ist als gemeinsame Gesamtstrategie beschlossen und in diesem Sinne verbindlich; die konkreten Qualifizierungs-Standards sind aber Ziele ohne feste Frist, deren Maßnahmen die Mitgliedsorganisationen für ihren Bereich erst entwickeln. Die Verbindlichkeit betrifft die Selbstbindung an die Strategie, nicht ein bestimmtes Ergebnis zu einem bestimmten Datum.7

Praktisch heißt das: Die Stufen D und F sind das Pflichtprogramm, an dem sich ein Verband messen lassen muss; die Standards des Zukunftsplans sind die Richtung, in die die Qualifizierung weiterzuentwickeln ist.

Was heißt das für den eigenen Verband?

Drei Schritte machen aus der Anforderung ein funktionierendes Qualifizierungssystem.

Zielgruppen bestimmen. Wer trägt bei uns Verantwortung — Vorstand, Übungsleitung, Betreuung, —, und welches Wissen braucht jede Gruppe? Die Risiko- und Potenzialanalyse liefert die Antwort; sie ist der Ausgangspunkt, nicht ein Standardcurriculum von der Stange.

In die Ausbildung einbauen. Präventionsinhalte gehören mit ausgewiesenem Umfang in die Lizenz- und Modulordnungen, verbunden mit der Selbstverpflichtung bei Erwerb und Verlängerung. Die Ausgestaltung dieser Ordnungen ist Gegenstand von Kapitel 12.

Auffrischung planen. Insbesondere en brauchen einen festen Fortbildungsrhythmus. Ohne Wiedervorlagedatum verfällt auch eine gute Erstschulung still — die häufigste Schwachstelle in der Praxis.

Für die OrganisationSilber

Was bedeutet das für die Ausbildungsordnung?

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Nachweise

  1. 1DOSB, Stufenmodell (2020), Stufe D.
  2. 2DOSB, Stufenmodell (2020), Stufe F.
  3. 3Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023), Handlungsfeld Qualifizierung: zielgruppenspezifische Standards nach Anforderungssituationen, Lernzielen, Aufgaben und Profilen sowie Verzahnung mit den Rahmenrichtlinien der DOSB-Lizenzausbildung.
  4. 4Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023), Handlungsfeld Qualifizierung: zielgruppenspezifische Standards nach Anforderungssituationen, Lernzielen, Aufgaben und Profilen sowie Verzahnung mit den Rahmenrichtlinien der DOSB-Lizenzausbildung.
  5. 5Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023).
  6. 6DOSB, Stufenmodell (2020), Umsetzungsplan: Nach den Stufen A und B ist die Reihenfolge frei wählbar; ab dem 31.12.2024 sind alle Stufen umgesetzt.
  7. 7Zukunftsplan Safe Sport (DOSB/dsj, 2023).

Rechtsstand

DOSB-Stufenmodell, Stufen D und F
Fassung 2020 · Stand 2020
Zukunftsplan Safe Sport, Handlungsfeld Qualifizierung
Fassung 2023 · Stand 2023

Geprüft am 27.07.2026 · Volatilitätsklasse B · Version 2 · SSP-08-08 Rn. 1–22

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Welche beiden Stufen des Stufenmodells betreffen die Qualifizierung?

Worin unterscheidet sich die Verbindlichkeit von Stufenmodell und Zukunftsplan?

Warum ist die Verzahnung mit der Lizenzausbildung so wirksam?

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