Einbindung der Eltern
Lernziel: Eltern als Teil des Schutzkonzepts einbinden, ihnen die notwendigen Informationen geben und mit typischen Konflikten umgehen.
Warum gehören Eltern ins Schutzkonzept?
Eltern werden in der Präventionsarbeit oft als Risiko behandelt — als Störfaktor am Spielfeldrand oder als Quelle unangemessenen Drucks. Beides kommt vor. Übersehen wird dabei, dass sie zugleich die wichtigste Verbindung zwischen Verein und Kind sind.
Drei Gründe sprechen für ihre Einbindung.
Sie bemerken Veränderungen. Ein Kind, das nicht mehr zum Training will oder sich anders verhält, fällt zu Hause früher auf als in der Halle.
Sie können Regeln einfordern. Wer weiß, dass Alleinfahrten abgesprochen sein müssen und dass die Umkleide geschützt ist, bemerkt Abweichungen — und zwar auch bei anderen Kindern.
Sie sind Ansprechpartner im Ernstfall. Bei Minderjährigen ist ihre Einbindung der Regelfall; die sehen die Beteiligung der Personensorgeberechtigten ausdrücklich vor ().1
Was sollten Eltern wissen?
Vier Dinge genügen, und sie passen auf eine Seite.
Die Verhaltensregeln, jedenfalls in ihren Kernpunkten: Körperkontakt nur mit sportlichem Anlass und Ankündigung, kein unbeobachtetes Einzeltraining, geschützte Umkleide, geregelte Fahrten und Übernachtungen, keine privaten Einzelchats mit Minderjährigen, keine privaten Geschenke.
Die Ansprechperson mit Namen und Kontaktdaten — im Verein und im Verband, ergänzt um eine externe Beratungsstelle.
Die Abläufe bei Fahrten und Lehrgängen: wer betreut, wie viele Betreuende, wie ist die Unterbringung geregelt, wie ist die Erreichbarkeit.
Der Umgang mit Bildern: welche Einwilligung erteilt wurde, wofür sie gilt und dass sie jederzeit widerrufen werden kann.
Der beste Zeitpunkt ist die Anmeldung, der zweitbeste ein Elternabend zu Saisonbeginn. Wer beides nutzt, hat das Thema gesetzt, ohne es zu dramatisieren.2
Wo liegen die Grenzen der Einbindung?
Vier Punkte sind zu beachten, damit Einbindung nicht in Übergriffigkeit umschlägt.
Eltern sind in der Regel nicht regelgebunden. Der Safe Sport Code gilt für Mitglieder und Unterworfene; Eltern gehören meist nicht dazu. Für ihr eigenes Verhalten greifen daher andere Mittel — Ansprache, Elternvereinbarung, Hausrecht.3
Kein Informationsanspruch über andere Kinder. Bei einem Verdachtsfall haben Eltern Anspruch auf Information, soweit ihr eigenes Kind betroffen ist — nicht auf Auskunft über den Vorgang insgesamt.
Kein Vetorecht gegenüber dem Willen älterer Jugendlicher. Mit zunehmendem Alter wächst das Recht auf Vertraulichkeit; das ist im Einzelfall abzuwägen.
Die wichtigste Ausnahme: Richtet sich ein Verdacht gegen Sorgeberechtigte oder würde ihre Information das Kind gefährden, werden sie nicht informiert. Dann ist der Weg über das Jugendamt eröffnet.
Wie geht man mit typischen Konflikten um?
Drei Situationen wiederholen sich in jedem Verein.
Druck auf das eigene Kind. Abwertende Kommentare vom Spielfeldrand, Vorwürfe nach der Niederlage, Training über die Belastungsgrenze auf elterlichen Wunsch. In der Sache ist das , auch wenn der Code die Eltern nicht bindet. Wirksam ist das Einzelgespräch, nicht die Ansage vor anderen — und der Hinweis auf die Wirkung beim Kind trifft mehr als jede Regel.
Misstrauen gegenüber den Regeln. Manche Eltern erleben als Generalverdacht gegen Trainerinnen und Trainer. Hier hilft die Umkehrung: Die Regeln schützen auch die Betreuenden, weil sie Situationen ausschließen, in denen später niemand mehr sagen kann, was geschehen ist.
Die Erwartung, alles zu erfahren. Bei einem Vorfall wollen Eltern verständlicherweise Klarheit. Zu sagen ist, dass ein Vorgang bekannt ist, dass er ernst genommen wird und wer zuständig ist — nicht mehr. Das ist unbefriedigend und richtig.
Was heißt das für den eigenen Verein?
Drei Bausteine reichen aus und kosten wenig.
Ein Informationsblatt bei der Anmeldung mit in Kurzform, , Beratungsstelle und Hinweis auf die Einwilligung für Bilder.
Eine Elternvereinbarung zum Verhalten am Spielfeldrand — kurz, freundlich formuliert, bei der Anmeldung unterschrieben. Ihr Wert liegt weniger in der Durchsetzbarkeit als darin, dass sie das Thema setzt.
Ein fester Punkt beim Elternabend, fünf Minuten, jedes Jahr. Wer das Thema regelmäßig anspricht, macht es normal — und normal ist genau der Zustand, in dem Menschen etwas sagen, wenn ihnen etwas auffällt.
Nachweise
- 1Ziffer 09 der Muster-Verhaltensregeln Safe Sport (Anhang zum Code, 2025) — Beteiligung von Personensorgeberechtigten bei minderjährigen Sportler*innen. ↩
- 2dsj, Einbindung der Eltern in die Präventionsarbeit zum Schutz vor Gewalt: Formate und Inhalte der Elternarbeit; zur Beteiligung der Personensorgeberechtigten Ziffer 09 der Muster-Verhaltensregeln. ↩
- 3Muster-Safe Sport Code (DOSB, 2025), Art. 5.1: Das Verbot gilt für die gebundenen Beteiligten. Zu den Mitteln gegenüber nicht gebundenen Dritten SSP-01-14 und Orientierungshilfe Recht (dsj, 2024). ↩
Rechtsstand
- Muster-Verhaltensregeln Safe Sport, Ziff. 09
- Fassung 2025 · Stand 2025
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Welche vier Informationen sollten Eltern erhalten?
Wann werden Sorgeberechtigte ausnahmsweise nicht informiert?
Wie begegnet man dem Vorwurf, die Regeln seien ein Generalverdacht?
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