Schwerpunkt bewusst auf seelischer Gewalt und Machtdynamik statt auf sexualisierter Gewalt — das entspricht der Häufigkeitsverteilung der Studienlage und dem Alltag der Zielgruppe; sexualisierte Gewalt begegnet der Route über die Fallarbeit (SSP-13-01, SSP-13-05), nicht als eigener Grundlagenbaustein.

Kapitel 1 · Niveau Basis · Bronze

Interpersonale Gewalt: die Definition des Safe Sport Codes

Lernziel: Die vier Formen interpersonaler Gewalt nach dem Safe Sport Code benennen, voneinander unterscheiden und an Beispielen aus dem Sportbetrieb zuordnen können.

Was bedeutet interpersonale Gewalt?Rn. 1–12

Der Safe Sport Code fasst alle Formen von Gewalt zwischen Menschen im Sport unter einem Oberbegriff zusammen: interpersonale Gewalt. Der praktisch wichtigste Effekt ist, dass damit auch Verhalten unterhalb der Strafbarkeitsschwelle untersucht und sanktioniert werden kann.

Artikel 4 unterscheidet vier Formen, und diese Aufzählung ist abschließend. Körperliche Gewalt () ist , das das körperliche Wohlbefinden beeinträchtigt oder beeinträchtigen kann — auch körperliche Strafen und erzwungene Überlastung. Seelische Gewalt () betrifft das seelische, mentale und soziale Wohlbefinden sowie die Entwicklung einer Person; dazu zählen ausdrücklich diskriminierende Äußerungen und Handlungen. Sexualisierte Gewalt () ist missbräuchliches Verhalten mit dem Mittel der Sexualität, mit und ohne Körperkontakt. Vernachlässigung () ist anders gebaut: Sie besteht nicht in einem Tun, sondern im pflichtwidrigen Unterlassen fürsorglichen Verhaltens und setzt eine Schutzpflicht voraus.

Drei Merkmale prägen alle vier Formen. Es genügt die Eignung zur Beeinträchtigung — ein Schaden muss nicht eingetreten sein. Tun und Unterlassen sind gleichgestellt. Und der Code nennt keine konkreten Handlungen, sondern spricht von missbräuchlichem Verhalten; was das im Alltag bedeutet, sagen die , die dem Code als Anhang beigefügt und damit sein Bestandteil sind.

Die Definitionen stehen dabei nicht für sich: Artikel 5.1 erklärt für verboten, Artikel 5.2 verlangt für die Sanktionierung Vorsatz oder Fahrlässigkeit, und Artikel 6.1 macht daraus eine Handlungspflicht — bestehen Anhaltspunkte, ist die Meldung geboten. Verpflichtet sind dabei nur die Personen, die dafür einzustehen haben, dass keine interpersonale Gewalt ausgeübt wird; auf ernstliches Verlangen der betroffenen Person entfällt auch diese Pflicht (Artikel 6.2).

Was heißt das im Sportalltag?Rn. 13–14

Drei Beispiele: Wer vor der Mannschaft regelmäßig das Gewicht einer Spielerin kommentiert, übt aus. Wer ein Jugendteam bei dreißig Grad ohne Trinkpause trainieren lässt, vernachlässigt seine . Wer einer Sechzehnjährigen nachts anzügliche Nachrichten schickt, begeht ohne Körperkontakt.

Der schwierigste Fall ist die misslungene Hilfestellung. Hier liegt der Schlüssel im Wort *missbräuchlich*: Der Code will nicht jedes Missgeschick erfassen, sondern Verhalten, das eine andere Person instrumentalisiert. Die richtige Frage lautet deshalb nie „Wie schlimm war es?“, sondern „War es missbräuchlich — und war es geeignet zu schaden?“

Rechtsstand

Muster-Safe Sport Code
Fassung 2025 · Stand 2025

Geprüft am 27.07.2026 · Volatilitätsklasse A · Version 2 · SSP-01-01 Rn. 1–14

Wissen prüfen

Welche vier Formen interpersonaler Gewalt unterscheidet der Safe Sport Code?

Eine Trainerin lässt ihr Team bei großer Hitze ohne Trinkpausen trainieren. Welche Form liegt nahe?

Setzt ein Verstoß voraus, dass tatsächlich ein Schaden eingetreten ist?

Wo ist Diskriminierung im System des Codes eingeordnet?

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