Beginnt mit den Zahlen, weil auf dieser Route zuerst überzeugt werden muss, bevor gehandelt wird; direkt danach der Pflichtenüberblick (SSP-06-06), der staatliche und verbandliche Anforderungen zusammenführt. Schließt mit Rollenszenarien für Vorstand und Ansprechperson.

Kapitel 1 · Niveau Basis · Bronze

Zahlen und Studienlage

Lernziel: Die wichtigsten Zahlen zu Gewalt im Sport und zur Kriminalstatistik benennen, die drei Datenarten auseinanderhalten und begründen können, welche Aussage eine Zahl trägt und welche nicht.

Was die Zahlen sagenRn. 1–19

Es gibt keine einzelne Zahl zur Gewalt im Sport, sondern drei Arten von Daten, die drei verschiedene Fragen beantworten: Die Kriminalstatistik zählt angezeigte Straftaten, Prävalenzstudien fragen Menschen nach eigenen Erfahrungen, Organisationsbefragungen fragen Vereine, was ihnen bekannt geworden ist. Die Kriminalstatistik bildet nur das Hellfeld ab; über das Dunkelfeld sagt sie nichts.

Für den Leistungssport liefert die Studie Safe Sport die Grundlage: Von 1.799 befragten Kaderathlet*innen berichteten rund 37 Prozent von mindestens einer Form sexualisierter Gewalt im Sport; etwa 70 Prozent der Betroffenen waren bei der ersten Erfahrung minderjährig. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer, zwischen den Sportarten unterscheiden sich die Werte kaum.

Für den Breitensport zeigt SicherImSport mit 4.367 befragten Vereinsmitgliedern ein breiteres Bild: 69 Prozent berichteten von mindestens einer Form interpersonaler Gewalt. Am häufigsten war die emotionale Gewalt mit 64 Prozent, vor körperlicher mit 37 Prozent, sexualisierter ohne Körperkontakt mit 26 Prozent, mit Körperkontakt mit 19 Prozent und mit 15 Prozent.

Die Kriminalstatistik für 2025 weist 17.126 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und 1.239 bei Jugendlichen aus, insgesamt 20.051 minderjährige Opfer. Die stärkste Bewegung liegt im Digitalen: Missbrauch ohne Körperkontakt stieg um 16,5 Prozent, jugendpornografische Inhalte um 19,9 Prozent auf einen Höchstwert. Fast ein Drittel der Tatverdächtigen bei kindlichen Opfern ist selbst minderjährig.

Was sie nicht sagenRn. 20–26

Die Kriminalstatistik kennt keine Kategorie Sport. Der nächstliegende Wert — 5 Prozent der kindlichen Opfer mit einer Vorbeziehung über eine Institution oder Organisation — fasst Schule, Heim, Kirche, Jugendarbeit und Verein zusammen. Eine Sportzahl lässt sich daraus nicht gewinnen.

Weiter gilt: Fälle, Opfer und Tatverdächtige sind drei verschiedene Größen. Die Prävalenzwerte sind Lebenszeitwerte, keine Jahresraten. Die Befragungen beruhen auf freiwilliger Teilnahme. Und ein Anstieg der Fallzahlen kann mehr Taten bedeuten — oder mehr Anzeigen, mehr polizeiliche Kontrolle oder eine Gesetzesänderung.

Schließlich stammen die sportspezifischen Daten aus 2016 und 2021, also aus der Zeit vor dem Safe Sport Code. Über dessen Wirkung gibt es bislang keine Zahlen.

Was das im Verband heißtRn. 27–30

Gegen den Satz „bei uns gibt es das nicht“ hilft die Gegenprobe: Nur rund 2 Prozent der Vereine berichteten über fünf Jahre überhaupt von einem Vorfall oder Verdachtsfall, und nur 11 Prozent hatten eine benannt. Das belegt kein Nichtvorkommen, sondern ein Nichtbemerken.

Drei Regeln für den eigenen Gebrauch: Quelle, Jahr und Grundgesamtheit immer mitnennen; Zahlen aus verschiedenen Datenarten nie verrechnen; keine Zahl auf den Sport übertragen, die nicht im Sport erhoben wurde. Und: Zahlen sollen die Aufmerksamkeit schärfen, nicht Angst erzeugen.

Für die OrganisationSilber

Was bedeutet das für Verein und Verband?

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Rechtsstand

Bundeslagebild Sexualdelikte (BKA)
Fassung Berichtsjahr 2025 · Stand 2026-07
Studie „Safe Sport“
Fassung 2016/2018 · Stand 2018
Studie „SicherImSport“
Fassung 2021 · Stand 2021
Sportentwicklungsbericht
Fassung 2015/2016 · Stand 2016

Geprüft am 09.08.2026 · Volatilitätsklasse A · Version 3 · SSP-01-02 Rn. 1–30

Wissen prüfen

Warum lässt sich aus dem Bundeslagebild keine Zahl für den Sport ableiten?

Ein Vorstand sagt: „Wir hatten in zehn Jahren keinen einzigen Fall.“ Was entgegnest du?

Welche Gewaltform ist im Vereinssport nach den vorliegenden Daten die häufigste?

Die Fallzahlen sind gestiegen. Folgt daraus, dass mehr Taten begangen wurden?

Warum taugen die vorhandenen Sportstudien nicht als Beleg für die Wirkung des Safe Sport Codes?

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